LOB DER NACHREDE

Oh ja, eine gute Nachrede ist schon was Schönes. Ich habe soeben eine ORF III -Dokumentation über Barbara Prammer gesehen. Sie wurde mitten aus dem Leben gerissen, sie wurde der Möglichkeit beraubt, die vielen positiven Dinge, die sie initiiert hat und die schon im Werden waren erfolgreich zu Ende zu führen. Sie wurde ihres Erfolges beraubt. Sie war noch nicht fertig.
Dann kam der Tod.
Und heute, zweieinhalb Jahre später, erfahre ich es aus einer Dokumentation: Es war ein komplettes Leben. Der Tod macht aus einem unkompletten ein komplettes Leben. Aus einem unvollendeten ein vollendetes.
Es ist irgendwie beruhigend, zu wissen, dass die Nachwelt, der ja die Aufgabe der Nachrede zufällt, die Brutalität des Todes korrigiert, indem sie ein unterbrochenes Leben zu Ende führt. Wenn einem die Nachwelt dann auch noch – nach Möglichkeit positive – Nachwirkungen zugesteht, dann ist die Nachrede Trost und Segen und macht aus dem Verlust vielleicht sogar einen Gewinn – für die Nachwelt.
Ja, ich weiß schon, dass das, was nach meinem Tod geredet wird, von mir nicht mehr gehört wird, mir also eigentlich nichts bringt. Aber das Wissen um die korrigierende und beendende Nachrede tröstet mich VOR meinem Tod. Versöhnt mich vielleicht sogar mit seiner Unerbittlichkeit.

Vielleicht sollte ich meine Blogs doch mehr Alltagsthemen widmen, wen interessiert denn schon meine Privatphilosophie. Vergessen Sie’s einfach.