ICH STERBE AUS – UND LEBE WEITER

Doch, doch, das geht.
Ich war einmal sehr berühmt. Alle haben mich gekannt. Weltberühmt in Österreich war ich.
Und direkt proportional mit meinem Älter-Werden, schrumpft die Zahl derer, die mich kennen. Die Rechnung geht aber auch ganz anders. Ich habe 1992 aufgehört, aktiv berühmt zu sein (abgesehen von ein bissel Tohuwabohu bis 96). Wer mich damals – 1992 – noch gesehen hat, musste, sagen wir, 10 Jahre alt gewesen sein. Also Jahrgang 1982, ist somit heute 35 Jahre alt. Je mehr ich mich von den 82ern entferne, desto älter werden die, die mich noch kennen, und sie werden einfach weniger, weil es 1982 ja auch 60- und 70- und 90-Jährige in meinem Publikum gegeben hat, die jetzt schon alle – etwas älter sind.
Andrerseits wächst da aber niemand nach.
Wie ich schon sagte: Ich sterbe aus.
Stört es mich?
Wenn ich lüge, sage ich „nein“.
Sage ich die Wahrheit, sage ich „naja…“
Denn wenn man wie ich 30 Jahre lang berühmt war, dann kriegt man das nicht so einfach aus sich raus. Das kann man nicht abschalten. Ich zumindest nicht.
Was heißt das aber?
Ich bin noch immer berühmt, und keiner weiß es?
Es hat was von diesem Nonsens.
Denn es ist schon eigenartig, ein lebender Gewesener zu sein.
Es kommt allerdings drauf an, was ich als mein eigentliches Leben betrachte. Wenn ich mich nur als der von gestern sehe, dann bin ich mein eigener Rest. Stimmt traurig. Wenn ich allerdings den heutigen lieber sehe, dann habe ich sogar noch Zukunft. Stimmt (leicht) fröhlich.
Nur Vergangenheit zu haben ist nämlich nicht lebensabendfüllend.
Ich sterbe also aus.
Aber (Triumph!): Dieses Aussterben bedeutet doch, dass ich einmal gelebt habe. Ich bin sogar im Besitz von mindestens zwei Leben: Ich habe gelebt – und ich lebe.
Das ist doch schön, oder?