DAS MIT DEN TOTEN

Gerade lese ich: „7-jähriges Mädchen bei Verkehrsunfall getötet“. Eine Dutzendmeldung (allein dieses Wort ist schon abscheulich), irgendwo links unten (wo’s eh keiner liest), 8 Zeilen. In der Zeitung, die ich gerade lese ist heute von etwa 250 Toten zu lesen.
Inklusive des von mir sehr geschätzten ehemaligen Fußballers Karl Stotz.
Nun bin ich ein glühender Anhänger des Lebens und der Lebenden. Und an die denke ich sofort, wenn ich von den Toten lese. Hinter jedem Toten steht nämlich zumindest ein Mensch, der ihn geliebt hat. Meistens mehrere, oft sogar viele. Egal, was für ein Toter es ist. Auch ein toter Terrorist hinterlässt Liebende. Eltern vielleicht, Geschwister, Frau, Kinder. Wenn man die Zahl der trauernden Hinterbliebenen mit der Zahl der Toten vergleicht, wird man möglicherweise auf ein Vielfaches kommen.
Wie gesagt, ich bin ein glühender Anhänger des Lebens und der Lebenden. Den Toten sei alle gebührende Ehre erwiesen. Aber die mit ihrem Schmerz weiter lebenden (und leben müssenden) Menschen, die ihren Toten geliebt haben, sind es, die unter dem Sinn oder unter der Sinnlosigkeit des Todes ihres Toten leiden.
Und da das Töten und das Sterben in der ganzen Welt offenbar zunimmt werden wir bald eine Gemeinschaft von Trauernden sein. Dieser Trauer, welche die einen in die Resignation und Demut treibt und bei den anderen in Hass und Vergeltungsdenken landet.
Wie auch immer.
Im Sinne der Liebenden kann und darf der Tod keine Dutzendmeldung sein.
Ich habe immer geglaubt, ich bin schon abgestumpft. Offenbar bin ich es noch nicht. Ist das gut? Oder soll ich mir, wie schon so viele andere Mitmenschen, ebenfalls einen Gefühlspanzer anlegen? Hat jemand einen übrig?