DIE MACHT DES „NEIN“

Schon als Kind habe ich bemerkt, dass „Nein“ ein höchst ungutes Wort ist. Und dass die Menschen, denen ihre Stellung ermöglicht, „Nein“ sagen zu dürfen mächtige Menschen sind. Noch dazu, wenn dieses „Nein“ die Unausweichlichkeit einer Sackgasse hat.
Diesem „Nein“ als Machtfaktor bin ich in meinem ganzen Leben immer wieder begegnet. Berühmt wurde in den 1950er-Jahren das russische „Njet“, was unseren Staatsvertrag betraf. Alle anderen Länder hatten schon „Yes“ oder „Oui“ gesagt – sie waren bedeutungslos. Das „Njet“ aber markierte Macht, verlieh Bedeutung.
Das russische „Njet“ war noch ein „Nein“, das auf Stärke fußte. Die Macht war durch Stärke gestützt.
Das „Nein“ unserer Tage hat sich gewandelt. Es heißt zwar noch immer „Nein“, seine Basis ist aber längst nicht mehr die Stärke. „Nein“ sagt heute, zumal in öffentlichen Belangen zumeist der, dem selber nichts einfällt. Aber mit seinem „Nein“ auf den Vorschlag des anderen hat der Nein-Sager die Möglichkeit, sich auf dieselbe Bedeutungsstufe des anderen zu hieven, ohne selbst auch nur die geringste Leistung erbracht zu haben. Kommt dann aber vielleicht doch ein so genannter Gegenvorschlag, kontert der andere ohne viel Federlesens mit „Nein“.
Die Macht des „Nein“ ist die Macht der Bremse. Beim Verkehrsmittel allerdings hat die Bremse schon Leben gerettet. Das heutzutage gebräuchliche „Nein“ hingegen ist nur auf Störung und Zerstörung aus.
Ich möchte daher allen jenen, die ihre Macht allein durch das „Nein“ ausüben sagen, dass sie ziemlich jämmerliche Schwächlinge sind, gepaart mit der Hinterfotzigkeit, dass ihr „Nein“ ja zumeist gar nicht sachliche Gründe hat, sondern einzig und allein ein anderer Ausdruck für „denen zeig ich’s“ sein will.
Anders ausgedrückt: Ja-Sagen verlangt nach gefestigten Persönlichkeiten.
Aber ich bleibe dabei, ich will mich in meinen Blogs nicht mit der Politik beschäftigen.