ZUHÖREN

Heute haben sie im ORF-Fernsehen den Film „Treibjagd im Dorf“ gespielt. Zeitweise spannend, zeitweise hat er sich etwas gezogen, mit etwas zu viel Schicksal überfrachtet. Ein Bub hat seinen von ihm sehr verehrten Opa bei einem Unfall erschossen und hat das bis zum Schluss des Films verschwiegen. Ein paarmal hat er angesetzt, etwas zu sagen, wurde aber ignoriert. Als er es dann doch sagte und gefragt wurde: „Warum hast denn nichts gesagt?“ hat er geschrien: „Wer hört mir denn zu?“
Da sind mir die Tränen gekommen. Ehrlich. Wer hört mir denn zu? Wer hört denn noch irgendwem zu? Ich meine wirklich zuhören, dass der andere das Gefühl hat, er habe das, was er gesagt hat, geteilt. Mitgeteilt.
Ich glaube, es ist ein tiefgreifendes Problem unserer Tage, dass wir Schwierigkeiten haben mit dem Zuhören. Es soll doch jeder einmal nachdenken, wie oft er schon gedacht hat, es hört mir sowieso keiner zu.
Dieses Nicht-Zuhören hat aber eine fatale Folge: Man redet nicht mehr. Man erzählt nicht mehr. Warum? Weil es eh keinen Sinn hat. Weil einem eh keiner zuhört.
Wie wichtig aber Gespräche sind zeigt doch das Anwachsen der Zahl der Psychotherapeuten. Sie sind berufsmäßige Zuhörer, denen ich alles erzählen kann.
Ist es nicht traurig, dass wir einen eigenen Berufsstand brauchen, damit uns jemand zuhört?